Keine Einkommensgrenzen. Sofort möglich.

Anders als Angestellte müssen Selbstständige keine Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) überschreiten. PKV ist ab dem ersten Tag der selbstständigen Tätigkeit möglich — unabhängig davon, ob Sie 2.000 € oder 20.000 € im Monat verdienen.

Das klingt nach Freiheit. Und das ist es auch. Aber es kommt mit einer anderen Seite: Kein Arbeitgeber teilt den Beitrag. Keine automatische Lohnfortzahlung bei Krankheit. Keine GKV-Familienversicherung für die Familie ohne eigenen Beitrag. Die volle Beitragslast liegt bei Ihnen.

Gesellschafter-Geschäftsführer (GmbH): Wenn Sie mehr als 50 % der GmbH-Anteile halten — oder eine Sperrminorität im Gesellschaftsvertrag haben — gelten Sie sozialversicherungsrechtlich als selbstständig. PKV-Wahl ohne JAEG, unabhängig vom Geschäftsführergehalt. Bei Minderheitsbeteiligung und weisungsgebundenem Anstellungsvertrag kann ein Angestelltenverhältnis vorliegen — dann gilt die JAEG.

Was PKV für Selbstständige wirklich kostet.

Hier liegt einer der häufigsten Fehler: Der Bruttobeitrag wird mit dem GKV-Beitrag verglichen — ohne Steuer. Das ist unvollständig.

PKV-Beiträge sind für Selbstständige in Höhe der Basisabsicherung steuerlich berücksichtigungsfähig — als Sonderausgaben nach § 10 EStG, typischerweise 80–90 % des Beitrags. Bei einem Steuersatz von 42 % zahlen Sie auf jeden Beitrags-Euro effektiv nur 58 Cent netto. Im Einzelfall mit dem Steuerberater abstimmen.

Beispielrechnung: Freiberufler, 42 % Steuersatz, Tarif Advanced Fit

PKV-Bruttobeitrag (Advanced Fit, 35 Jahre) ca. 320 €/Monat
Steuerersparnis (42 % Steuersatz) − ca. 134 €
PKV-Nettobeitrag ca. 186 €/Monat
GKV-Mindestbeitrag Selbstständige 2026 (ohne Einkommensnachweis) ca. 355–400 €/Monat

Der GKV-Mindestbeitrag liegt 2026 bei ca. 355–400 €/Monat — für Selbstständige ohne niedrigen Einkommensnachweis. Das ist oft mehr als ein gut gewählter PKV-Tarif netto kostet.

Wichtig: Bei hohem Einkommen steigt der GKV-Beitrag bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Wer 7.000 €/Monat brutto verdient, zahlt in der GKV ~1.000 € Gesamtbeitrag — also mehr als das Doppelte eines soliden PKV-Tarifs. Wie sich beide Systeme langfristig entwickeln →

58 % Nettobeitrag bei 42 % Steuersatz
~355 € GKV-Mindestbeitrag Selbstständige 2026
§ 204 VVG: Tarifwechsel ohne Gesundheitsprüfung möglich

Krankentagegeld: Das unsichtbare Pflichtprogramm.

Das ist der Bereich, der am häufigsten unterschätzt wird — und der zu den teuersten Fehlern führt.

Als Selbstständiger zahlt kein Arbeitgeber Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. In der GKV gibt es nach 6 Wochen Krankschreibung ein gesetzliches Krankengeld — aber nur wenn Sie sich freiwillig gesetzlich versichert haben und diesen Anspruch explizit eingeschlossen haben. In der PKV gibt es Krankentagegeld (KTG) als separate Zusatzoption.

Achtung: Ohne Krankentagegeld fehlt das Einkommen ab dem ersten Krankheitstag. Bei einem Nettoverdienst von 4.000 €/Monat bedeuten 6 Wochen Krankheit ohne KTG einen Verlust von ~6.000 €. Das sind Festkosten (Miete, Kredite, Versicherungen), die trotzdem fällig werden.

Was ein gutes KTG kostet und leistet

Karenztag Gut für Monatlicher Mehrbeitrag (ca.)
Ab Tag 1 Maximaler Schutz, höchster Beitrag ca. +80–120 € (50 €/Tag KTG)
Ab Tag 29 Für die meisten Selbstständigen optimal ca. +35–60 € (50 €/Tag KTG)
Ab Tag 43 Wenn Rücklagen für die ersten Wochen vorhanden ca. +25–45 € (50 €/Tag KTG)
Kein KTG Nur bei ausreichend Liquiditätsreserve

Faustregel: Mindestens 60–70 % des monatlichen Nettogewinns als KTG absichern, ab dem 29. Krankheitstag.

Sicherheitsnetz für schlechte Jahre: § 204 VVG.

Der häufigste Einwand von Selbstständigen gegen die PKV: „Was mache ich, wenn ich wenig verdiene und mir der Beitrag zu teuer wird?"

Die Antwort: Tarifwechsel nach § 204 VVG. Als HanseMerkur-Versicherter können Sie jederzeit in einen günstigeren Tarif wechseln — ohne neue Gesundheitsprüfung, ohne Verlust Ihrer Altersrückstellungen. Konkret: Sie erhöhen die Selbstbeteiligung, wechseln in einen Tarif mit Primärarztprinzip, oder beides. Der Beitrag sinkt sofort.

Beispiel: Sie sind in Advanced Fit (ohne Selbstbeteiligung) und der Beitrag lastet in einem schwachen Jahr zu stark. Wechsel auf Smart Fit mit 1.000 € Jahresselbstbeteiligung reduziert den Monatsbeitrag oft um 60–100 € — bei nahezu gleicher Grundversorgung. Ihre Altersrückstellungen bleiben vollständig erhalten. Mehr zum § 204 VVG →

Das macht die PKV deutlich planbarer als ihr Ruf. Der fixe Beitrag ist kein Fluch — er ist eine Variable, die Sie aktiv steuern können. Und für das Rentenalter gilt dasselbe: Altersrückstellungen + § 204 VVG + drei gesetzliche Sicherheitsnetze. PKV im Rentenalter: vollständige Analyse →

PKV für Selbstständige: Wann ja, wann nein.

✓ PKV lohnt sich

  • Stabil hohes Einkommen (gut über GKV-Mindestbeitrag)
  • Keine Familienplanung oder Partner mit eigenem Einkommen
  • Hohe Einkommensteuerlast (Steuerersparnis besonders wertvoll)
  • Gesellschafter-GF mit >50 % Anteilen (kein JAEG-Risiko)
  • Präferenz für freie Arztwahl und maximale Leistung
  • Gute Gesundheit beim Einstieg (günstiger Beitrag, keine Ausschlüsse)

⚠ Vorsicht / GKV prüfen

  • Sehr schwankendes Einkommen ohne Liquiditätsreserve – in diesem Fall liefert der PKV-oder-GKV-Ratgeber die ehrliche Gegenüberstellung
  • Kinder, deren Mitversicherung teuer würde
  • Relevante Vorerkrankungen (anonyme Voranfrage zuerst)
  • Geplanter Wechsel zurück in Anstellung in 1–2 Jahren
  • Geringes Einkommen in der Anfangsphase